Samstag, 16. November 2013

Ich ziehe um... Oder ziehe ich weiter?

Machen wir es kurz und prägnant:
Coffeetales hatte kein wirklich ausgereiftes Konzept und all die Zeit habe ich hier nur gebrabbelt und bin über meine eigenen Vorsätze gestolpert. (Kurz halten, Sonja!)
Deswegen, bestaunt hier mein neues Experiment, wo es im Moment noch gar nicht so viel zu bestaunen gibt:
http://werwort.blogspot.de/

Viel Spaß und bis dorthin!

Samstag, 17. August 2013

Der Schmetterling

Moin!
Mal wieder etwas aus meiner Feder/meinem Kugelschreiber. Ich hatte letztens ein verrücktes Erlebnis (also, es schien mir zumindest bemerkenswert). Lest selbst:
Ich war damals junge fünfzehn Jahre alt, es war Frühling und ich saß bei meiner Oma im Gästezimmer und blickte durch das Fenster hinauf auf den sonnenbeschienenen Gartenteich. Vor meinen Augen stieg eine Vision auf und ich schrieb folgendes:

Zerschmettert

Es ist das Bild eines Schmetterlings, der auf dem Wasser liegt, die schillernden Flügel abgespreizt, gebrochen. Das Wasser trägt ihn, aber er ist tot. Ein verblassendes Bildnis vergangener Schönheit. Der Teich ist dunkel, endlos.
Der Schmetterling ist verloren darin, seine zarte Gestalt schlaff und noch zerbrechlicher. Die Freude seines Anblicks ist vergangen, da ist mir noch Trauer, tief wie der See. Das Wasser hält ihn oben wie eine Warnung. Aber wen interessiert schon ein Tümpel im Wald. Langsam bahnt sich ein dünner Arm aus Tropfen über den blassen Flügel des Schmetterlings. Tränen
Und langsam zieht ihn das Wasser zu sich, er sinkt immer weiter hinab in sein nasses, vergessenes Grab.
9.4.09

Nun, dann also vor vier Wochen, auf einem sehr spontanen Dänemarkkurzurlaub mit ein paar lieben Menschen, zog ich so meine erfrischenden Bahnen durchs Ostseesalzwasser und plötzlich tauchte er vor mir auf, dieser Schmetterling, und versetzte mich Jahre zurück:

Der Schmetterling im Wasser

In den Wellen des Meeres taucht plötzlich das Bild auf, das ich vor so langer Zeit schuf, ein zerbrochenes Symbol der Hoffnung, das ich in Wirklichkeit nie sah. Es ist der tote Schmetterling im Wasser, aufrecht gehalten nur durch chemische Kuriositäten fließt er, blasselfenbein wie er ist, an mir vorbei. Wie merkwürdig ihn endlich zu sehen. So klein ist er, so traum -  und bedeutungslos. Sein Zauber ist mit ihm gestorben, aber das Makabre, das meinem Bild anhaftet, fehlt ihm ebenfalls. Das einzige Abstruse ist die Zufälligkeit unserer Begegnung hier auf dem Wasser, die mich tief zurück in mein Inneres führt, in unbeleuchtete Winkel, aus denen ich manchmal schreibe ohne überhaupt zu verstehen, was vor sich geht. Und so suche ich die Symbolik im Auftauchen eines leblosen Insekts im Meer, aber es gibt sie nicht und es ist nur mein verständnisloses, menschliches Ich, dass eine Erklärung fordert, Schicksal will, Bedeutungen begreifen muss, die es gar nicht gibt.
1.8.13

So ist das also, mit kleinen Dingen aus der Vergangenheit, die einem plötzlich entgegengeschleudert werden, wo man sie doch schon lange vergessen hatte. Für mich war das irgendwie ein denkwürdiges Ereignis, wie man merkt.
Bis bald!
Sonja

Sonntag, 11. August 2013

Freundschaft

Freundschaft

Früher, als ich noch zur Schule ging, also vor einem halben Jahr, habe ich im Wirtschafts/Politik-Unterricht immer unglaublich gerne zynische Essays über Mindestlohn o. Ä. geschrieben. Fiel unserem Lehrer keine geeignete Hausaufgabe ein, veranlasste er uns immer dazu, irgendwelche Gedanken einfach aufzuschreiben.
Nun ist die Schule vorbei und ich im Moment so politikverdrossen durch NSA, Drohnen und Bürgerkriege in Syrien, dass ich mir dachte: Was soll das, kann ich nicht über etwas anderes schreiben?
Die einfache Antwort: Na klar kann ich das, niemand gibt mir ja eine Aufgabe!
Also schreibe ich nun ein kleines Essay über ein paar Dinge, die mir am Herzen liegen und dachte mir, ich könnte mal versuchen die Komplexität des Begriffes "Freundschaft" zu erfassen. Ob das zynisch oder sarkastisch wird, wage ich anzuzweifeln, aber so ehrlich wie möglich soll es schon sein.
Zu Beginn: Ich habe 263 Facebook-Freunde und die kenne ich immerhin alle persönlich, wahrscheinlich die Hälfte von denen würde ich aber nicht in der Stadt grüßen. Diese Anzahl ist wohl einzig und allein für meinen Ego gut.
Ich verkehre in verschiedenen Freundeskreisen. Freunde meiner Freunde, mit denen mich kaum viel verbindet, die aber unterhaltsam sind und die der Gruppe ihre ganz eigene Dynamik verleihen, so dass der "Omnilog" (Ist dieses Wort passend für einen Gruppendialog?) immer nur so hüpft und gewitzt umhertanzt und alle sich hinterher intellektuell angeregt und einfach besser fühlen. Zu zweit alleine gäbe es aber wohl nur viel peinliches Schweigen und verkrampften Smalltalk. Die Gruppe fehlt.
Ich kenne eine handvoll Leute, mit denen ich stundenlang reden kann. Wir sitzen kaffeetrinkend zu zweit in unserer Lieblingsbäckerei und schütten uns gegenseitig die Herzen aus. Das ist wohl der originale Freundschaftsbegriff. Aber um den Eltern möglichst simpel und schnell zu erklären, was man heute unternommen hat, werden alle anderen auch schnell zu Freunden, obwohl sie es ja eigentlich gar nicht wirklich sind.
Es gibt alte Freunde, die man monate- oder sogar jahrelang nicht gesehen hat, aber wenn man sie trifft, freut man sich, redet völlig frei und schamlos alles daher und wenn die gemeinsame Zeit wieder vorbei ist, dann verfällt man wieder in die Kontaktlosigkeit, die keineswegs gemein, sondern gutmütig daher kommt, da man sich völlig sicher ist, dass es beim nächsten Treffen ebenso ablaufen wird, so fern man diese Menschen als "alte Freunde" akzeptiert hat, denn es ist so schwer alle Freundschaften ständig zu pflegen und man sollte darüber nicht in Verdruss geraten.
Es gibt auch die Menschen, mit denen man mal befreundet war. Vielleicht hat man sich auseinander gelebt, das kommt vor. Man sieht sich dann in der U-Bahn, schaut sich für einen kurzen Moment in die Augen und nickt sich respektvoll zu. Viel schlimmer allerdings ist es, wenn die Freundschaft gewaltsam zerbricht, durch einen Streit, ein Missverständnis, einen Verrat.
Früher dachte ich immer, dass Freunde sich immer alles verzeihen und ich würde es auch immer so machen. Aber manchmal, da kann man nicht mehr verzeihen. Da ist die Freundschaft so zerfetzt und das Vertrauen zerschlagen und zerbrochen, bis davon nur noch Scherbenpulver übrig ist. Die Zeit hat mich anders gelehrt: Manchmal kann das Ende einer Freundschaft, besonders wenn sie tief war und das Aus sehr plötzlich und unerwartet kommt, so frustrieren, dass man sich monatelang den Kopf darüber zerbricht, nachts schreiend und heulend aufwacht, weil alles schmerzt, weil plötzlich die ganze, haltende Welt aus den Fugen gefallen ist. Und man kann es nicht glauben, man kann es nicht verstehen, man erkennt die andere Person, die mal die beste Freundin war, auf einmal gar nicht mehr. Und eigentlich wünscht man ihr nur das Beste, aber in Wahrheit hasst man sie.
Es gibt Freunde, bei denen stimmt einfach die Chemie. Man weiß eigentlich gar nicht so viel über sie, aber man guckt sie an und denkt: Dir vertraue ich mein Leben an. Auf Anhieb sympathisch. Sie dürfen nie fehlen, für das richtige Gefühl, die gute Stimmung.
Freundschaft zerreißt. Sie ist ein großes Gefühl, sehr vielseitig, bunt. Man ärgert sich, man ist verletzt, frustriert, aber in der nächsten Sekunde tanzt und lacht man wieder gemeinsam mit dem Menschen, der einen nur angucken brauch und weiß, was man denkt. Freundschaft taucht in so verschiedenen Formen auf. Manchmal leisten Menschen, die man gar nicht kennt, einen Akt der Freundschaft: Trösten, Halten, und das vergisst man ihnen nie.
Was ist eigentlich die Aufgabe eines Freundes? Er soll verstehen, ergänzen, widersprechen, helfen, umleiten, Momente einzigartig machen, lachen, trösten, schweigen, reden, Filme mitgucken, umarmen, feiern, singen, tanzen, weinen, den Mut haben ein Geheimnis anzuvertrauen, spontane Reiseausflüge machen, wichtige Dinge sagen, dumme Dinge sagen, auf Kaimauern sitzen und Sonnenuntergänge mit angucken, anrufen, Fotos machen, teilen, gemein sein, unerschütterlich sein, fröhlich sein, fremd sein, dankbar sein, verbunden sein, da sein.
Letztlich bleibt zu sagen, dass ein Freund jemand ist, der sich im Gedächtnis verankert. Der eben da ist, immer, irgendwo zwischen Kopf und Herz, ob man ihn nun gut kennt oder nicht, ob es nur der nette Busfahrer oder der Kindheitskumpel ist. So fern ein Mensch mir irgendwie wichtig ist, ab und zu mal mit wohligem Kribbeln durch meine Gedanken spukt, ein Teil meiner vertrauten Welt ist und sie so einzigartig formt, wie so ein Leben eben ist, dann ist er mein Freund.

Yeah.
Tschüsimüsli, Freunde!
Sonja